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Ich vergleiche mich ständig mit anderen: Was hilft?

Du siehst, was ein anderer Mensch erreicht hat. Eine neue Stelle, ein gelungenes Projekt, eine glückliche Beziehung oder ein scheinbar müheloser Alltag. Eigentlich freust du dich für die Person. Gleichzeitig beginnt in deinem Kopf eine Rechnung: «Warum bin ich noch nicht so weit?»

Kurz darauf wirkt das, was du selbst geschafft hast, weniger wert.

Was hilft, wenn du dich dauernd mit anderen vergleichst? Beobachte zuerst, was genau du vergleichst und welche Bedeutung du dem Unterschied gibst. Danach kannst du entscheiden, ob dir der Vergleich eine hilfreiche Information liefert oder dich nur von deinen eigenen Zielen entfernt.

Was geschieht in dem Moment des Vergleichs?

Ein Vergleich beginnt oft mit einer Beobachtung: «Sie hat ein Buch veröffentlicht.» Oder: «Er wirkt in Gesprächen sehr sicher.»

Dann folgt eine Bewertung über dich: «Ich bin zu spät dran.» «Ich kann das nicht.» «Mein Leben ist weniger gelungen.»

Die Beobachtung und die Bewertung sind nicht dasselbe. Du kannst anerkennen, was jemand anderes geschafft hat, ohne daraus ein Urteil über deinen Wert abzuleiten.

Frag dich beim nächsten Mal: «Was habe ich gesehen, und was habe ich daraus über mich geschlossen?»

Du kennst von anderen meist nur einen Ausschnitt

Vielleicht siehst du ein Ergebnis, aber nicht die Umwege dorthin. Vielleicht kennst du die öffentliche Seite einer Person, aber nicht ihre Zweifel oder die Hilfe, die sie erhalten hat.

Von dir selbst kennst du dagegen auch die schwierigen Tage. Diese unterschiedlichen Einblicke ergeben keinen fairen Vergleich.

Das heisst nicht, dass du Erfolge anderer kleinreden sollst. Du kannst dich für jemanden freuen und gleichzeitig anerkennen, dass dir für ein Urteil über dessen gesamtes Leben wichtige Informationen fehlen.

Frage dich, was du wirklich möchtest

Manchmal zeigt dir ein Vergleich etwas Nützliches. Vielleicht merkst du, dass du selbst mehr Zeit für ein eigenes Projekt möchtest. Oder dass dich die Freiheit anspricht, mit der jemand seine Arbeit gestaltet.

Dann frage weiter: «Will ich genau das, was diese Person hat, oder steht es für etwas, das mir wichtig ist?»

Vielleicht beneidest du jemanden um eine Beförderung, möchtest aber gar nicht dessen Aufgaben übernehmen. Was du dir eigentlich wünschst, ist mehr Anerkennung oder Gestaltungsspielraum.

Wenn du das erkennst, kannst du an deinem eigenen Ziel arbeiten, statt einer fremden Laufbahn nachzulaufen.

Wenn der Vergleich dich abwertet

Achte auf Sätze wie «Alle anderen sind weiter» oder «Ich bin nie gut genug». Prüfe, ob sie die Situation treffend beschreiben.

Der NHS empfiehlt, negative Überzeugungen über sich selbst aufzuschreiben und anhand konkreter Erfahrungen zu überprüfen. Du musst dir dabei nichts schönreden. Suche nach einer Aussage, die genauer ist.

Aus «Ich erreiche nie etwas» kann zum Beispiel werden: «Dieses Ziel habe ich noch nicht erreicht. In einem anderen Bereich bin ich im letzten Jahr vorangekommen.»

Das zweite Urteil lässt Schwierigkeiten zu und berücksichtigt zugleich, was tatsächlich passiert ist.

Wähle einen Massstab, der zu deinem Leben passt

Schreib für einen Bereich auf, was dir selbst wichtig ist. Bei der Arbeit könnten es interessante Aufgaben und genügend Zeit ausserhalb des Berufs sein. Bei Beziehungen vielleicht Vertrauen und offene Gespräche. Bei einem eigenen Projekt könnte es sein, regelmässig daran zu arbeiten.

Formuliere anschliessend eine Frage, mit der du deinen Fortschritt prüfen kannst: «Habe ich diese Woche Zeit für mein Projekt geschaffen?»

So misst du etwas, das zu deinen Werten und Möglichkeiten gehört. Der Fortschritt eines anderen Menschen kann dich weiterhin inspirieren. Er entscheidet aber nicht darüber, ob du deinen eigenen Weg gehst.

Eine kleine Übung für die nächste Woche

Wenn du dich beim Vergleichen ertappst, notiere drei kurze Antworten:

Mit wem vergleiche ich mich gerade?

Was wünsche ich mir in Wahrheit?

Welchen kleinen Schritt kann ich für mein eigenes Ziel tun?

Vielleicht lautet die Antwort beim dritten Punkt auch: «Heute keinen. Ich brauche Erholung.» Auch das kann eine bewusste Entscheidung sein.

Das Centre for Clinical Interventions stellt Übungen bereit, mit denen du negative Selbstbewertungen genauer betrachten kannst.

Kehre zu deiner eigenen Richtung zurück

Du musst Vergleiche nicht vollständig abstellen. Entscheidend ist, was du nach einem Vergleich tust. Nimm eine hilfreiche Anregung mit, falls es eine gibt. Lass ein pauschales Urteil über deinen Wert nicht ungeprüft stehen.

REMORPHING® beschäftigt sich mit wiederkehrenden inneren Reaktionen. Wenn du den Moment zwischen einem Vergleich und deiner Antwort darauf bewusster wahrnehmen möchtest, findest du hier das kostenlose Audio THE FIRST SHIFT.