Trotz Erfolg nie gut genug: Was hilft wirklich?
Du hast etwas erreicht, auf das du hingearbeitet hast. Ein Projekt ist abgeschlossen, eine schwierige Situation bewältigt oder ein wichtiges Ziel endlich geschafft.
Für einen Moment freust du dich. Dann beginnt die innere Prüfung: «Es hätte besser sein können.» «Andere sind weiter.» «Jetzt muss ich zeigen, dass es kein Zufall war.»
Was hilft, wenn du dich trotz Erfolg nie gut genug fühlst? Schau dir an, nach welchen Regeln du dich bewertest. Wenn ein erreichter Massstab sofort durch den nächsten ersetzt wird, kann dir kein einzelner Erfolg dauerhaft das Gefühl geben, angekommen zu sein.
Wenn jeder Erfolg sofort kleiner wird
Vielleicht kennst du diesen Ablauf: Vor einem Ziel glaubst du, danach endlich zufrieden zu sein. Sobald du es erreicht hast, wirkt es selbstverständlich. Du erinnerst dich eher an einen Fehler als an das, was gelungen ist.
Das kann besonders belastend werden, wenn du deinen Wert stark daran misst, wie gut du etwas leistest. Das Centre for Clinical Interventions beschreibt diesen Zusammenhang bei belastendem Perfektionismus: Menschen setzen sich sehr hohe Standards und beurteilen sich selbst vor allem danach, ob sie diese erfüllen.
Hohe Ansprüche können dir helfen, sorgfältig zu arbeiten. Prüfe jedoch, ob deine Ansprüche dir noch dienen oder ob sie dir jede Zufriedenheit nehmen.
Wer legt fest, was «gut genug» ist?
Nimm ein Ziel, das du kürzlich erreicht hast. Frag dich:
Was wollte ich ursprünglich schaffen?
Habe ich dieses Ziel erreicht?
Wann habe ich begonnen, mehr von mir zu verlangen?
Vielleicht hattest du dir vorgenommen, einen guten Vortrag zu halten. Danach hast du dich daran gemessen, ob jede Antwort perfekt war. Vielleicht wolltest du ein Projekt abschliessen. Nach dem Abschluss zählt für dich plötzlich nur noch, wie schnell und mühelos du es geschafft hast.
So verschiebt sich die Grenze, sobald du sie erreichst. Du darfst deine Ziele weiterentwickeln. Hilfreich ist aber, zuerst anzuerkennen, dass du das ursprüngliche Ziel erreicht hast.
Erfolge wahrnehmen, ohne stehen zu bleiben
Manche Menschen fürchten, zufrieden zu werden, weil sie dann weniger erreichen könnten. Doch du musst dich nicht zwischen Entwicklung und Anerkennung entscheiden.
Versuche nach einer abgeschlossenen Aufgabe drei Fragen zu beantworten:
Was ist mir gelungen?
Was habe ich dabei gelernt?
Was möchte ich beim nächsten Mal anders machen?
Gib jeder Antwort Platz. Wenn du ausschliesslich die dritte Frage beantwortest, wird aus jeder Erfahrung nur eine Liste weiterer Anforderungen.
Der NHS empfiehlt, eigene Stärken und positive Erfahrungen bewusst festzuhalten. Das kann helfen, eine ausschliesslich kritische Sicht auf dich selbst zu prüfen.
Was tun, wenn du dich mit anderen vergleichst?
Du siehst meist nur einen Ausschnitt vom Leben anderer Menschen: das veröffentlichte Ergebnis, die neue Position oder den sichtbaren Erfolg. Deine eigenen Umwege, Zweifel und Fehler kennst du dagegen im Detail.
Wenn du dich vergleichst, frag dich: «Vergleiche ich gerade zwei Dinge, die ich gleich gut kenne?»
Du kannst dich von anderen inspirieren lassen. Für deine eigene Entwicklung ist jedoch oft hilfreicher, den Blick zurückzurichten: Was konntest du vor einem Jahr noch nicht, was heute für dich möglich ist?
Eine Übung: Definiere den Massstab vorher
Wähle eine bevorstehende Aufgabe. Schreib vor dem Beginn auf, woran du erkennen wirst, dass sie gut erledigt ist. Formuliere zwei oder drei überprüfbare Punkte.
Nach dem Abschluss liest du diese Punkte erneut. Erfüllst du sie, darf die Aufgabe als gelungen gelten. Ideen für eine spätere Verbesserung kannst du zusätzlich notieren. Sie ändern nichts daran, was du diesmal erreicht hast.
Diese Übung hindert dich nicht daran, ambitioniert zu sein. Sie macht sichtbar, wenn du die Anforderungen erst nachträglich erhöhst.
Dein Wert muss nicht mit jeder Leistung neu bewiesen werden
Du kannst stolz auf Erreichtes sein und weitere Ziele haben. Du kannst Fehler sehen, ohne daraus ein Urteil über deine ganze Person abzuleiten.
Falls das Gefühl, nie gut genug zu sein, dich über längere Zeit stark belastet, kann ein Gespräch mit einer psychologischen Fachperson helfen, deine Bewertungsmuster genauer zu verstehen.
Für heute genügt eine Frage: Welchen Erfolg habe ich bereits erreicht, ohne ihn mir wirklich zugestanden zu haben?
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