Du wirst um einen Gefallen gebeten. Eigentlich passt es dir nicht. Vielleicht fehlt dir die Zeit,...
Warum brauche ich ständig die Anerkennung anderer?
Du hast etwas gut gemacht. Für einen Moment bist du zufrieden. Dann kommt der Gedanke: «Hat es überhaupt jemand bemerkt?»
Du schaust auf Reaktionen, wartest auf eine Antwort oder fragst nach, ob wirklich alles in Ordnung ist. Ein Lob beruhigt dich. Bleibt es aus, zweifelst du wieder an dir.
Warum brauche ich ständig die Anerkennung anderer? Weil die Meinung anderer dir möglicherweise zur wichtigsten Rückmeldung über dich selbst geworden ist. Anerkennung zu wünschen ist menschlich. Belastend wird es, wenn du ohne sie kaum noch einschätzen kannst, ob deine Entscheidung gut war oder ob du selbst gut genug bist.
Anerkennung tut gut. Wann wird sie zum Problem?
Es ist schön, gesehen zu werden. Eine ehrliche Rückmeldung kann dir helfen, dich weiterzuentwickeln, und ein Dankeschön kann eine Beziehung stärken.
Achte darauf, was passiert, wenn die Rückmeldung ausbleibt. Änderst du sofort deine Meinung? Suchst du nach einem Fehler, obwohl niemand einen genannt hat? Fühlst du dich erst wieder sicher, wenn jemand dir bestätigt, dass alles gut ist?
Dann geht es womöglich um mehr als den Wunsch nach einem Kompliment. Vielleicht hast du begonnen, deine eigene Einschätzung grundsätzlich anzuzweifeln.
Woher kann dieses Muster kommen?
Es gibt keine einzige Erklärung, die auf alle Menschen zutrifft. Manche haben früh erlebt, dass Leistung besonders viel Aufmerksamkeit bekam. Andere erinnern sich stärker an Kritik als an Anerkennung. Auch aktuelle Beziehungen, beruflicher Druck oder eigene hohe Ansprüche können eine Rolle spielen.
Der NHS beschreibt, wie Erfahrungen und Botschaften anderer Menschen das Selbstbild beeinflussen können. Das bedeutet nicht, dass du deine Vergangenheit vollständig verstehen musst, bevor du heute etwas verändern kannst.
Beginne mit einer Frage: «Von wem wünsche ich mir besonders dringend Anerkennung, und was würde es für mich bedeuten, sie nicht zu bekommen?»
Vielleicht lautet deine Antwort: «Dann habe ich versagt.» Genau diese Schlussfolgerung lohnt es sich zu prüfen.
Die Frage hinter der Frage erkennen
Wenn du andere fragst «War das gut?», möchtest du manchmal eine fachliche Rückmeldung. Ein anderes Mal suchst du vor allem Beruhigung.
Beides darf sein. Hilfreich ist, den Unterschied zu erkennen.
Frage dich vor der nächsten Bitte um Bestätigung:
Brauche ich eine Information, die mir noch fehlt? Dann stelle eine konkrete Frage, etwa: «Ist die Einleitung verständlich?»
Oder hoffe ich, dass mir jemand mein unangenehmes Gefühl abnimmt? Dann halte kurz inne und formuliere zuerst deine eigene Einschätzung: «Ich finde die Einleitung klar. Bei der Länge bin ich noch unsicher.»
So bleibt Raum für Rückmeldungen, ohne dass du dein Urteil vollständig abgibst.
Eine Übung für deine eigene Einschätzung
Wähle eine kleine Entscheidung aus deinem Alltag. Vielleicht geht es um eine Nachricht, eine Idee für die Arbeit oder eine Verabredung.
Bevor du jemanden um seine Meinung bittest, schreib drei Sätze auf:
«Ich habe mich so entschieden, weil …»
«Daran finde ich gut …»
«Dabei bin ich noch unsicher …»
Danach kannst du immer noch um Feedback bitten. Vergleiche die Antwort mit deiner ersten Einschätzung. Wo stimmen beide überein? Wo beurteilt die andere Person etwas anders? Und welchen Teil ihrer Rückmeldung möchtest du tatsächlich übernehmen?
Mit der Zeit sammelst du so Erfahrungen, dass du eine eigene Meinung haben und trotzdem offen für andere bleiben kannst. Das Centre for Clinical Interventions stellt Übungen zum Selbstwertgefühl und zu negativen Selbstbewertungen bereit.
Was tun, wenn Lob ausbleibt?
Wenn jemand nicht reagiert, kennst du den Grund zunächst nicht. Die Person kann beschäftigt sein, deine Leistung für selbstverständlich halten oder schlicht vergessen haben, etwas zu sagen. Ihr Schweigen ist keine verlässliche Aussage über deinen Wert.
Halte deshalb Beobachtung und Deutung auseinander:
Beobachtung: «Ich habe keine Antwort bekommen.»
Deutung: «Meine Arbeit war offenbar schlecht.»
Die Beobachtung kannst du überprüfen. Die Deutung ist eine Möglichkeit unter mehreren. Wenn du eine Rückmeldung brauchst, frag gezielt danach. Wenn du keine brauchst, erinnere dich an deine eigene Einschätzung.
Du darfst gesehen werden, ohne dich davon abhängig zu machen
Das Ziel ist nicht, kein Lob mehr zu wollen. Es geht darum, dass eine ausbleibende Reaktion nicht jedes Mal dein Bild von dir bestimmt.
Wenn du häufig nach Bestätigung suchst, beobachte beim nächsten Mal den Moment unmittelbar davor: Was hast du gerade über dich gedacht? Dort beginnt die Möglichkeit, anders zu antworten.
REMORPHING® beschäftigt sich mit solchen wiederkehrenden Reaktionen. Einen ersten Moment zum Innehalten findest du im kostenlosen Audio THE FIRST SHIFT.