Der Wecker klingelt. Du stehst auf, erledigst deine Aufgaben, beantwortest Nachrichten und kümmerst...
Wiederkehrende Muster selbst verändern: So beginnst du
Du nimmst dir vor, beim nächsten Mal anders zu reagieren. Dann kommt die Situation, und du tust wieder dasselbe: Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Du ziehst dich zurück, obwohl du ein Gespräch führen möchtest. Oder du kontrollierst alles noch einmal, obwohl du längst fertig bist.
Später erkennst du das Muster klar. Im entscheidenden Moment war die vertraute Reaktion jedoch schneller.
Welche Wege gibt es, wiederkehrende Muster selbstständig zu verändern? Beginne bei einer konkreten Situation. Beobachte, was die Reaktion auslöst, was du dabei denkst und tust und was du beim nächsten Mal ausprobieren möchtest. Kleine Änderungen lassen sich im Alltag leichter prüfen als ein allgemeiner Vorsatz, ab jetzt anders zu sein.
Ein Muster besteht aus mehr als einer Gewohnheit
Nehmen wir an, jemand bittet dich kurzfristig um Hilfe. Du denkst: «Wenn ich ablehne, ist die Person enttäuscht.» Du spürst Anspannung und sagst sofort zu. Danach ärgerst du dich über die zusätzliche Aufgabe.
Du kannst in diesem Beispiel mehrere Stellen entdecken, an denen Veränderung möglich ist: bei deiner Erwartung, bei der sofortigen Antwort oder bei der Art, wie du deine Grenze ausdrückst.
Gedanken, Gefühle und Handlungen können sich gegenseitig beeinflussen. Der NHS erklärt diesen Zusammenhang und stellt praktische Übungen zur selbstständigen Anwendung bereit.
Weg 1: Den Auslöser genau beobachten
«Ich mache das immer» ist als Beschreibung verständlich, aber für eine Veränderung noch zu ungenau. Frag dich stattdessen:
Wann ist es zuletzt passiert?
Wer war beteiligt?
Was geschah unmittelbar davor?
Wie habe ich reagiert?
Schreib eine einzelne Situation auf. Verzichte zunächst auf eine Erklärung deiner ganzen Lebensgeschichte. Du suchst den Moment, in dem die Reaktion beginnt.
Vielleicht stellst du fest, dass du nicht bei jeder Bitte automatisch Ja sagst, sondern besonders dann, wenn eine bestimmte Person dich fragt. Oder dass du vor allem dann alles kontrollierst, wenn du müde bist. Solche Unterschiede helfen dir, einen passenden nächsten Schritt zu wählen.
Weg 2: Den Gedanken zwischen Auslöser und Reaktion prüfen
Eine Situation kann sofort eine Annahme auslösen. «Sie wird mich nicht mehr mögen.» «Ein Fehler wäre katastrophal.» «Wenn ich jetzt aufhöre, bin ich nicht gut genug.»
Versuche nicht, den Gedanken mit einem besonders positiven Satz zu überdecken. Frag lieber:
Was weiss ich tatsächlich?
Was befürchte ich?
Welche andere Erklärung ist ebenfalls möglich?
Du musst dich nicht von einer neuen Erklärung überzeugen. Es reicht fürs Erste, zu bemerken, dass deine erste Annahme nicht die einzige sein muss.
Weg 3: Eine andere Handlung vorbereiten
Überlege dir vor der nächsten ähnlichen Situation eine Antwort, die du tatsächlich verwenden kannst.
Wenn du schnell zusagst, könnte sie lauten: «Ich prüfe es und melde mich morgen.»
Wenn du dich bei Kritik zurückziehst: «Ich möchte verstehen, was du meinst. Gib mir kurz Zeit, darüber nachzudenken.»
Wenn du eine Aufgabe immer weiter perfektionierst: «Ich kontrolliere sie einmal anhand meiner Kriterien und schliesse sie dann ab.»
Formuliere deinen Schritt so konkret, dass du hinterher erkennen kannst, ob du ihn ausprobiert hast. «Mehr auf mich achten» ist ein guter Wunsch. «Vor jeder Zusage eine Nacht warten» ist eine Handlung.
Weg 4: Nach dem Versuch auswerten
Vielleicht gelingt dir die neue Reaktion. Vielleicht bemerkst du erst hinterher, dass du wieder automatisch gehandelt hast. Beides liefert dir Informationen.
Frage dich nach einer passenden Situation:
Was habe ich bemerkt?
Was habe ich anders gemacht?
Was möchte ich beim nächsten Mal versuchen?
Bewerte nicht gleich deine ganze Person. Schau auf diesen einen Versuch. Auch die Selbsthilfeangebote des Centre for Clinical Interventions arbeiten mit Beobachtung und konkreten Übungen zu unterschiedlichen Themen.
Welcher Weg passt zu dir?
Wenn dir vor allem der Auslöser entgeht, beginne mit dem Beobachten. Wenn du sofort von einer schlimmen Folge ausgehst, prüfe deine Annahme. Wenn du die Situation gut verstehst, aber immer gleich antwortest, bereite eine neue Handlung vor.
Du kannst auch verschiedene Zugänge miteinander verbinden. Manche Menschen schreiben lieber, andere sprechen mit einer vertrauten Person darüber oder nutzen ein Audio, um vor einer Reaktion kurz innezuhalten. Entscheidend ist, ob du im Alltag einen Unterschied bemerkst, den du nachvollziehen kannst.
Wenn dich ein Muster stark belastet oder mit Angst, belastenden Erfahrungen oder erheblichen Einschränkungen verbunden ist, musst du es nicht allein bearbeiten. Fachliche Unterstützung kann dir helfen, es sicher und gezielt anzugehen.
Beginne mit einem einzigen Moment
Wähle heute eine wiederkehrende Situation. Schreib auf, was sie auslöst und welche eine Handlung du beim nächsten Mal versuchen willst. Beobachte danach, was tatsächlich passiert.
REMORPHING® beschäftigt sich mit solchen wiederkehrenden Reaktionen. Wenn du dir zuerst Raum zum Wahrnehmen nehmen möchtest, findest du hier das kostenlose Audio THE FIRST SHIFT.