Du wirst um einen Gefallen gebeten. Eigentlich passt es dir nicht. Vielleicht fehlt dir die Zeit,...
Warum fällt mir Nähe schwer, obwohl ich sie mir wünsche?
Du möchtest einem Menschen nahe sein. Ihr verbringt Zeit miteinander, versteht euch gut und vielleicht freust du dich sogar auf das nächste Treffen. Doch sobald ein Gespräch persönlicher wird oder jemand mehr von dir wissen möchte, spürst du den Wunsch nach Abstand.
Später vermisst du genau die Nähe, von der du dich zurückgezogen hast.
Warum fällt dir Nähe schwer, obwohl du sie dir wünschst? Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Vielleicht brauchst du mehr Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Vielleicht befürchtest du, Erwartungen nicht erfüllen zu können. Oder du merkst erst in einem konkreten Moment, welche Art von Nähe sich für dich gut anfühlt und welche zu schnell geht.
Du musst dich dafür nicht sofort in eine Schublade einordnen. Beobachte zuerst, wann du Abstand suchst.
Nähe ist nicht nur eine Sache
Nähe kann bedeuten, Zeit miteinander zu verbringen, Persönliches zu erzählen, Unterstützung anzunehmen oder körperliche Zuwendung zuzulassen. Du kannst dir eine Form wünschen und bei einer anderen zögern.
Frage dich deshalb möglichst genau: «Welche Nähe wünsche ich mir?» und «Ab welchem Moment wird es schwierig?»
Vielleicht erzählst du gern von deinem Alltag, möchtest aber über eine Verletzung noch nicht sprechen. Vielleicht geniesst du gemeinsame Zeit, brauchst danach jedoch einen Abend allein. Das sind Informationen über deine Bedürfnisse. Du darfst sie ernst nehmen und aussprechen.
Schau dir eine einzelne Situation an
Denke an einen Moment, in dem du dich zurückgezogen hast. Was ist unmittelbar davor passiert?
Hat die andere Person eine Frage gestellt? Wollte sie mehr gemeinsame Zeit? Hattest du selbst einen anstrengenden Tag? Oder kam ein Gedanke auf wie «Jetzt erwartet sie etwas von mir»?
Trenne dabei die Beobachtung von deiner Vermutung.
Beobachtung: «Die Person fragte, ob wir uns am Wochenende sehen.»
Vermutung: «Sie wird enttäuscht sein, wenn ich Zeit für mich brauche.»
Die Vermutung kann stimmen. Sie kann auch falsch sein. Ein Gespräch gibt dir mehr Klarheit, als wenn du die Antwort der anderen Person allein vorwegnimmst.
Sag, was du brauchst, bevor du verschwindest
Wenn du Zeit für dich brauchst, ist eine kurze Erklärung oft hilfreicher als ein plötzlicher Rückzug. Du musst dabei nicht alles über dich erzählen.
Du könntest sagen:
«Ich verbringe gern Zeit mit dir. Heute brauche ich einen ruhigen Abend für mich.»
«Ich möchte darüber sprechen, aber ich brauche etwas Zeit, um meine Gedanken zu ordnen.»
«Mir ist unser Kontakt wichtig. Mit diesem Schritt möchte ich noch warten.»
So bekommt die andere Person eine verständliche Information. Gleichzeitig bleibst du bei deiner Grenze. Das Centre for Clinical Interventions beschreibt klare und respektvolle Kommunikation als eine Fähigkeit, die sich üben lässt.
Frage auch die andere Person
Nähe entsteht zwischen Menschen. Du kannst deshalb nicht allein festlegen, wie viel Kontakt für beide passt.
Frag nach, wie die andere Person die Situation erlebt. Höre zu, ohne sofort eine Lösung versprechen zu müssen. Vielleicht braucht sie eine kurze Nachricht, wenn du Zeit für dich nimmst. Vielleicht braucht ihr ein Gespräch darüber, was ihr beide unter Nähe versteht.
Ein kleiner Schritt für dein nächstes Gespräch
Wähle einen Satz, den du bisher für dich behalten hast. Er sollte wahr sein und sich für dich aussprechbar anfühlen.
Zum Beispiel: «Ich freue mich über unsere Treffen und merke gleichzeitig, dass ich zwischendurch Zeit allein brauche.»
Dann beobachte, was passiert. Wie reagiert dein Gegenüber tatsächlich? Was hast du erwartet? Was möchtest du beim nächsten Mal klarer sagen?
Du musst Nähe nicht erzwingen. Du kannst lernen, deinen Wunsch nach Verbindung und deinen Wunsch nach Raum verständlich zu machen.
Wenn dich wiederkehrende Angst oder belastende Beziehungserfahrungen dabei stark einschränken, kann fachliche Unterstützung helfen, diese Reaktionen genauer anzuschauen.
Verbindung beginnt mit Ehrlichkeit
Du darfst dir Nähe wünschen und trotzdem Zeit brauchen. Entscheidend ist, ob du deine Bedürfnisse nach und nach besser erkennst und mit einem Menschen besprechen kannst, dem du vertraust.
REMORPHING® beschäftigt sich mit wiederkehrenden Reaktionen in unterschiedlichen Lebensbereichen. Wenn du dir zunächst einen Moment zum Wahrnehmen nehmen möchtest, findest du hier das kostenlose Audio THE FIRST SHIFT.